Irene Helm // Legasthenie & Mentaltraining

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    Optimales Lerngebäude

    Wichtige Bausteine für den Lernprozess



    Die Fertigkeiten des Lesens, Schreibens und Rechnens gehören zu den anspruchsvollsten Leistungen, die das Gehirn zu verarbeiten hat. Voraussetzung dafür sind viele verschiedene Bausteine, die das Fundament für diese übergeordneten Fähigkeiten bilden.




    Nur ein lückenloses „Mauerwerk“ sorgt für einen reibungslosen Entwicklungs- und Lernprozess. Denn die Bausteine sind aufs Engste miteinander verbunden (siehe Buchtipp!).


    A. Jean Ayres (Psychologin und Beschäftigungstherapeutin) hat das Therapiekonzept "Die sensorische Integration" entwickelt. In ihrem Buch "Die Bausteine der kindlichen Entwicklung" beschreibt sie sehr anschaulich und verständlich, wie wichtig die Integration ALLER!! Sinne ist. Das Lernen beginnt mit der Geburt, mit dem  Einsatz aller Sinne, mit der Bewegung. Sie erklärt welch zentrale Rolle die "Körpersinne" spielen:  die Eigenwahrnehmung, die Tiefensensibilität, der Gleichgewichtssinn, der Muskeltonus, die Koordiantion und der Tastsinn.
    Dieses Buch bietet Eltern eine gute Möglichkeit, ihr Kind besser zu verstehen, falls Störungen in der Wahrnehmung, des Lernvermögens oder des Verhaltens, den Alltag belasten. Aber vor allem, was kann man tun, wenn solche Probleme auftauchen. Meiner Meinung nach sollte man dieses Buch allen frischgebackenen Eltern empfehlen, damit sie wissen, was den Entwicklungsprozess enorm stören kann (unsere schnelllebige, hoch technisierte und medienabhängige Welt!), damit sie den Entwicklungsprozess gleich in die richtigen Bahnen lenken können.


     



    Die Motorik und das Gleichgewicht



    Körperliches und seelisches Gleichgewicht stehen in engem Zusammenhang.

    Haut-, Muskel- und Gleichgewichtssinn kontrollieren sämtliche großen und allerfeinsten Bewegungen! Diese Koordination ist fürs Lernen sehr wichtig. Das Gleichgewichtsorgan sorgt für eine optimale Steuerung der Augen- und Nackenmuskulatur, ein wichtiger Faktor fürs Lesen und Schreiben.

    A. Jean Ayres (siehe Buchtipp oben) nennt den Gleichgewichtssinn das "alles zu vereinende Bezugssystem". Ich kann das bestätigen: Ein gezieltes Gleichgewichtstraining hat einen positiven Einfluss auf den Lernprozess. Bei einem muskulären Ungleichgewicht braucht der Körper viel mehr Energie, daher ermüdet er schneller und die Konzentration lässt gewaltig nach. Der Gleichgewichtssinn ist ein extrem wichtiger Bestandteil unseres Körpers und trotzdem wird er sehr vernachlässigt. Immer mehr Kinder haben enorme Gleichgewichtsdefizite!!


    Nur ein dosierter Bewegungseinsatz des Stiftes (im „Drei-Punkt-Griff“) und die fein abgestimmte Bewegungssteuerung der Fingerspitzen, ermöglichen ein kraftloses, "energiesparendes" Schreiben. Ist dieser Ablauf nicht gewährleistet entstehen Verkrampfungen, die auch die Schultern und den Nacken(**) betreffen können. Motorische Defizite kosten sehr viel Energie. Dem Lernprozess steht dann weniger „Kraftstoff“ zur Verfügung! Es gibt einen großen Zusammenhang zwischen "Lernen und Bewegung".


    Der Fernseher, Computer, Tablet oder Smartphone sind die Bewegungskiller Nummer 1!

    Sie verhindern wichtige Entwicklungsschritte.


    (**) Die permanente, gesenkte Kopfhaltung, auf Smartphone oder Tablet, führt zu einer Überlastung der Nackenmuskulatur. Sie verhärtet, die muskeleigenen Gefäße, Muskelfasern und Nerven werden gequetscht und gereizt. Gerät die Durchblutung der Wirbelarterien durcheinander, kommt weniger frisches Blut in wichtige Gehirnregionen und falsche Signale werden gesendet. Dauerstress im Bereich des Nackens löst geradezu einen Teufelskreis aus.  Privater/beruflicher Druck, hochgezogene Schultern, langes Arbeiten am PC, Fehlhaltungen usw...., können die gleichen Auswirkungen auf diese sensible Region haben.

    Die Folgen: Müdigkeit, Leistungsabfall, Konzentrationsstörungen, Lernschwierigkeiten, bis zu Depressionen.


     



    Das Selbstkonzept



    Ein selbstbewusstes Kind: ......


    ..... traut sich etwas zu und kennt seine Fähigkeiten,

    ..... weiß, dass sich Anstrengung lohnt,

    ..... es weiß aber auch, dass es um seiner selbst und nicht wegen seiner Leistungen geliebt wird,

    ..... ist offen, etwas Neues zu probieren,

    ..... kann mit Misserfolgen besser umgehen,

    ..... wird von seiner Umgebung wahrgenommen und gelobt,

    .... ist aufgrund seiner Begeisterungsfähigkeit beliebt.


    Das Selbstkonzept besteht aus Körpergefühl, Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl, Selbstsicherheit und Selbstbewusstsein.

     



    Die Emotionen (Frustrationsresistenz, Frustrationstoleranz, Stabilität)



    Der Grundstein für die eigene Persönlichkeit wird in den ersten sechs Lebensjahren gelegt. Für die emotionale Entwicklung eine sehr, sehr wichtige Zeit. Dazu zählt auch die Frustrationstoleranz (Enttäuschungen aushalten), sie ist keine angeborene Fähigkeit, sondern etwas Erlerntes. So haben auch hier die Eltern eine Vorbildwirkung. Wie gehen sie mit Misserfolgen, Enttäuschungen oder Hindernissen um? Wie lange arbeiten sie an einer Sache, auch wenn es mühsam und schwierig wird? Sportliche Aktivitäten wirken sich sehr positiv aus.


    Die Emotionen haben immer mit Erinnerungen zu tun.

    Sehr negative Ereignisse bleiben im Gedächtnis viel besser haften, als neutrale und positive Erfahrungen. Daher befasst sich die Hirnforschung immer mehr mit dem Zusammenhang von Emotionen und Gedächtnis. Daher sind die Erfahrungen, die in der Grundschule gemacht werden, prägend für den weiteren schulischen Verlauf. Je weniger Misserfolge gespeichert sind und je entspannter das Lernen abläuft, umso zuversichtlicher schreitet der Mensch in seine Zukunft.


    Man weiß inzwischen, dass Stress, Angst und Furcht die Lernfähigkeit stark beeinträchtigen können. Die Aufmerksamkeit wird dadurch vermindert, weil das Gehirn mit den eigenen Gefühlen beschäftigt ist. Hier setzt die mentale Selbstgestaltung an (siehe Mentaltraining).

    Der Betroffene lernt, das negative Muster rechtzeitig zu durchbrechen, um Denkblockaden zu vermeiden.


     



    Die Räumliche Orientierung



    Sie ist fürs Lernen von großer Bedeutung. Raumlageprobleme verursachen Verdrehungen von Zahlen, Verwechslung von Buchstaben, von Rechenzeichen oder der Rechenrichtung. Die Arbeitsrichtung (sehr wichtig beim Lesen und beim Lösen von Aufgaben) kann nur bewusst werden, wenn die Unterscheidung zwischen links und rechts gelingt. Vom eigenen Körper ausgehend wird die Umwelt erfahren. Wenn das Verständnis für zwei Körperhälften und der Seitigkeit entwickelt sind, bildet dies die Grundlage für die räumliche Orientierung. Ohne diese Fähigkeit ist kein Verständnis für Zahlen und Mengen möglich.


    Eine organisierte Wahrnehmung gelingt am besten, wenn eine Körperseite eindeutig dominiert. Das heißt, die bevorzugte Hand liegt auf der gleichen Seite, wie das bevorzugte Auge, das bevorzugte Ohr und das bevorzuge Bein. Eine durchgehende Rechtsdominanz ist besonders praktisch fürs Lesen und Schreiben. Wenn keine Dominanz vorhanden ist, kann dies Lernstörungen verstärken. So ein gekreuztes Muster kann zu Orientierungsproblemen und evtl. zu einer verzögerten Verarbeitung im Gehirn führen.


     



    Die Wahrnehmung




    Die ersten sechs Jahre sind entscheidend! Ein Kind muss vorher alles be-greifen können, um es dann zu begreifen. Die Wahrnehmungsfähigkeit eines Kindes wird durch eigene Aktivität erweitert und die Bewegung in der Natur bietet die besten Voraussetzungen für diese anspruchsvolle Entwicklungszeit! So kann der Mensch sein Wissen erweitern und eine feste Basis fürs Lernen schaffen. Die Aufmerksamkeit und die Konzentration finden hier den Ursprung!! Sie sind wiederum die Grundvoraussetzungen fürs erfolgreiche Lernen!!


    Die Rush-Hour des heutigen Lebens schafft viele Probleme. Kinder wollen etwas selber machen, entdecken und ausprobieren. Leider fehlt häufig die Zeit für diese Entdeckungsreisen. „Komm ich helfe dir!“, ist eine unbewusste Aussage, weil das Kind für etwas zu lange braucht. Außerdem schränken zubetonierte Plätze den Handlungsraum deutlich ein. Fernseher und Videos ersetzen die eigene Erfahrung, Kinder erhalten Informationen aus zweiter Hand.



    Wahrnehmung und Verarbeitung sind unauflösbar mit den Gedächtnisprozessen und mit der Aufmerksamkeits- und Motivationsebene verknüpft. Daher ist eine Lernstörung der sichtbare Ausdruck, unsichtbarer, unvollständiger Wahrnehmungsprozesse. Ein ganz wichtiger Bereich der akustischen Wahrnehmung ist die "Phonologische Bewusstheit" (siehe Testauswertung-Phonologische Bewusstheit). Sie ist eine Basisfunktion fürs Lesen und Schreiben. Entwicklungsrückstände in diesem Bereich verursachen häufig Lese-/Schreibprobleme (siehe Legastheniker-Wörterbuch). Legastheniker haben fast immer große Defizite in der Phonologischen Bewusstheit. Werden diese Defizite nicht behoben, wird das Lesen- und Schreibenlernen zum Spießrutenlauf, denn das Anwenden von Regeln ist nicht möglich.